Schnullergate

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Der Schnuller ist für viele Eltern in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder ein wahrer Segen. Leider wird dieser auch schnell zu einem Fluch.

Schnulli, Lulli, Zuzi, Nucki… egal wie man ihn nennt, er ist ein wahrer Seelentröster. In den ersten Monaten, als Mila noch sehr unregelmäßig schlief, war der Schnuller immer unsere erste Wahl um sie zu beruhigen. Mila war zufrieden, ich war zufrieden, alles super!

 

Als sie im Alter von 1 1/2 Jahren dann in den Kindergarten gekommen ist, hat sie sich den Schnuller Tagsüber sehr schnell abgewöhnt. Es lebe der Gruppenzwang! Keiner der Kinder hatte einen Schnuller im Mund, also hat ihn Mila auch nicht gebraucht. Ein neues Ritual entstand. Wir brachten sie in den Kindergarten und sie gab uns brav am Eingang ihren Hasen und ihren Schnuller.
So naiv wie ich war, dachte ich der Kindergarten hat mir die lästige Aufgabe der „Schnullerentwöhnung“ abgenommen.
Weit gefehlt! Sobald Mila aus der Tür in die Garderobe trat, war ihre erste Frage: „Mama, Schnulli, Hasi?!“

Am Anfang hat es mich nicht gestört, ich war einfach nur froh, dass der Schnuller nicht mehr so oft im Einsatz war.
Die Schnullerzeit wurde immer weniger, bis wir nur noch feste Zeiten hatten in denen Mila den Schnuller haben durfte. Beim Schlafen, beim Autofahren, im Kinderwagen, wenn sie sich wehgetan hat, ……,ok wie ihr seht, auch das war ein Teufelskreis und keine Lösung. Leider nur der bequeme Weg um meinem Mann und mir Stress zu ersparen.

Vor zwei Wochen ist ein Mädchen beim Spielen über Mila gestolpert und dabei hat sich Mila beide Vorderzähne angestoßen. Ein Bluterguss am Zahnfleisch und großes Bangen um die Zähne. Zum Glück hatte Mila keine sonderlichen Schmerzen. Der darauf folgenden Besuch beim Zahnarzt war weniger erfreulich. Ein Bruch war nicht zu erkennen, aber die Zähne waren etwas gelockert und es könnte möglich sein, dass sie entfernt werden müssen. Puh, da habe ich erstmal geschluckt.

Eine Woche später waren meine Tochter und ich erneut zur Kontrolle da. Zuerst eine Entwarnung vom Doktor, soweit ist alles in Ordnung. Ich solle mir keine Sorgen machen und nicht mehr daran denken. Dann aber fühlte ich mich auf frischer Tat ertappt. Der Schnuller muss weg und zwar komplett! Gerade bei lockeren Zähnen sei es einfach zu riskant, dass sich eine Zahnfehlstellung bildet.
Ich rechtfertige mich natürlich sofort und meinte das wäre gar nicht so einfach. Mit der Antwort des Zahnarztes habe ich jedoch nicht gerechnet: „Erklären sie ihrem Kind, dass es keinen Schnuller mehr haben kann, genauso wie sie ihrem Kind erklären, dass es bei rot nicht über die Straße gehen kann.“ Freundlich, aber bestimmt und ohne Disskusionsmöglichkeit. Wenn ich mir schon ausmale wie schlimm es ohne Schnuller sein wird, dann spürt mein Kind die negative Einstellung und wird bestimmt nicht kooperieren.

So recht einleuchtend war mir die Theorie nicht, bis ich mit meinem Mann telefoniert habe. Seine Reaktion auf den Schnullerentzug war: „Na toll, das wird eine lange Nacht!“. Nach diesem Satz war mir alles klar! Wir gehen von Drama aus, also bekommen wir auch Drama.

Nachdem ich Mila erklärt hatte, dass sie keinen Schnuller mehr haben kann, wollte sie mir zeigen wo die Schnuller in der Küche sind. Einfach zuckersüß! Aber als sie verstanden hat, dass ich es ernst meinte gab es natürlich etwas Gegenwind (weinen, schlagen und „warum?“-Fragen). Dieser legte sich aber ziemlich schnell und sie ist friedlich ohne ihrem guten Freund „Schnulli“ eingeschlafen.

Mir ist klar ich werde ihr noch öfter erklären müssen wieso der Schnuller jetzt weg ist, aber jetzt weiß ich, sie kann damit umgehen und es akzeptieren.

Natürlich habe auch ich schon einiges über Methoden gelesen, wie man einem Kind ganz sanft den Schnuller abgewöhnt, jedoch glaube ich sind diese Spielchen eher für uns Eltern, die sich vor der Konfrontation mit ihren eigenen Kindern scheuen.

Mein persönlich schönstes Weihnachtsgeschenk – endlich Schnullerfrei.

Liebe Grüße, eure Marta.